Coming Out Day 2015 - Den Fragen auf den Grund gegangen

13.10.2015 11:44 von Ronny

Am vergangenen Samstag machte der les-bi-schwule Verein Queerdom erneut auf den am 11. Oktober stattfindenden Coming Out Day aufmerksam. Einmal mehr bestätigte die Bevölkerung der Stadt Schaffhausen deren tolerante Haltung gegenüber den homo- und bisexuellen Minderheiten.

Von Ronny Bien, im Auftrag von Queerdom Schaffhausen


Schaffhausen - Bereits zum sechsten Mal positionierte sich Queerdom mitten in der Altstadt Schaffhausens. Allerdings zum ersten Mal in der Vordergasse, da auf dem Fronwagplatz sämtliche Polit-Parteien die Werbetrommel vor den eidgenössischen Wahlen nochmals ordentlich rührten. Für den les-bi-schwulen Verein aus der Munotstadt war dies bereits der dritte Standort, nachdem 2009 die Anfänge noch in der Schwertstrasse ihren Lauf nahmen. Das «starke Ostschweizer Bündnis» wurde für diesen Aktionstag durch die Unterstützung der Partnervereine «WILSCH» und «HOT» komplettiert.

Dachverbände mit ungenügender Organisation

Einmal mehr traten die drei Vereine aus der Nordostschweiz eigenständig mit selbst kreierten Ideen auf. Diese Schiene bewährte sich indes, wie das während der ganztägigen Strassenaktion aufgrund der Reaktionen der Bevölkerung bestätigt wurde. Grundgedanke wäre eigentlich eine nationale Kampagne mit einheitlichem Motto, doch weil die Dachverbände «LOS» und «PINK CROSS» wiederholt ein ausgesprochen mangelhaftes Organisationszeugnis an den Tag legten, konstituierten sich die regionalen Gruppen selbst, was schliesslich auch den Erfolg hinter der diesjährigen COD-Aktion hervorbrachte. Aufgrund der wachsenden Kritik an die Spitze der Dachverbände, besteht gerade dort der grösste Handlungsbedarf, künftig fähiges Personal zur Verfügung zu stellen.

«Leben und leben lassen»

Die diesjährige Coming Out Day-Kampagne in Schaffhausen wurde mit einer einfachen Umfrage à drei Fragen gestaltet. Passanten von jung bis alt wurden gefragt, was sie unter dem Begriff «Coming Out» verstehen, welche Faktoren die geschlechtsorientierende Öffnung als erleichternd oder erschwerend massgebend sind und ob das «Coming Out» überhaupt noch notwendig sei. Das Resümee 2015 wich dabei nicht grossartig von anderen Jahren ab, worauf bestätigt werden kann, dass in der Nordostschweizer Kleinmetropole die Toleranz nach wie vor von grosser Bedeutung ist. Noch gewichtiger scheint die Tatsache, dass mit der Redewendung «Leben und leben lassen» der Grossteil der Bevölkerung darauf hinweist, dass die Genderfrage keine zentrale Rolle spiele, da eine Person nicht nach der sexuellen Orientierung beurteilt werde, sondern generell als Mensch.

Nicht an die grosse Glocke hängen

Etwas, was die Grundeinstellung der Schaffhauserinnen und Schaffhauser unterstrich, war die Bemerkung, dass es kein Problem darstelle, wenn die Homo- oder Bisexualität offen gelebt würde. Mühe bereite eher das Auftreten Schwuler oder Lesben mit extremem Hang zur Extravaganz. «Man soll dies nicht an die grosse Glocke hängen», bemerkte ein junger Bürger, der jedoch gegenüber les-bi-schwulen Menschen keine Berührungsängste verspürte. Diese oder ähnliche Aussagen waren mehrmals zu hören, was nicht despektierlich einzuordnen sei, sondern eher, dass die bunte und liberal einzustufende Gesellschaft das Gesamtbild der Vielfalt widerspiegle. Wie wichtig dies sei, zeigte sich in einem Bericht von Radio Munot, als Flüchtlinge befragt wurden, was für sie hierzulande gewöhnungsbedürftig ist. Dass sich Pärchen in der Öffentlichkeit zeigen, schien sie gleichzeitig zu irritieren und zu beeindrucken, weil das in den arabischen Ländern verboten ist. Dabei wird die Konfrontation der nationalen queeren Gesellschaft früher oder später unumgänglich sein, weil diese aufgrund ihrer Aktivitäten auf den Strassen ebenfalls sichtbar sind.

Rückschlüsse aufgrund der Ergebnisse

Die unzähligen, vielfältigen und abwechslungsreichen Antworten werden in den kommenden Tagen analysiert, wie Daniel Flachsmann bestätigte: «Wir werten die vielen Aussagen aus, ziehen die nötigen Rückschlüsse, sodass wir Anhaltspunkte haben, wo wir künftig ansetzen müssen», so der Queerdom-Co-Präsident. Mit dieser Aktion konnten offene Fragen und die daraus entstandenen Gedankengänge der Bevölkerung auf den Grund gegangen werden. Insofern ein eminent wichtiges Element, da schon in Bälde der nächste Kampf ansteht. Am 28. Februar 2016 wird über die eidgenössische Volkabstimmung die les-bi-schwul-feindliche Initiative der CVP «Für Ehe und Familie - gegen die Heiratsstrafe» abgestimmt. Diese diskriminierende Vorlage würde aufgrund der gesetzlichen Verankerung in der Verfassung ein Eheverhältnis gleichgeschlechtlicher Paare offiziell verbieten, wie das beispielsweise in Russland der Fall ist. Mit «Pro Aequalitas» wurde eigens ein neuer Verein ins Leben gerufen, wo sich auch Queerdom aktiv einbringen wird und gegen die CVP-Initiative kämpfen wird.

Bilder zum Anlass

Zeitungsartikel im Schaffhauser Bock

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